Es war einer dieser Momente, in denen man gleichzeitig beeindruckt und zutiefst beunruhigt ist.
Vor mir auf dem Bildschirm leuchtete ein Strategiepapier. Zwanzig Seiten, makellos strukturiert, präzise formuliert, gespickt mit aktuellen Marktdaten. Ein junger Kollege aus meinem Netzwerk hatte es mir geschickt. Vor drei Jahren hätte diese Arbeit eine Woche intensiver Recherche gekostet. Er hatte es in zwei Stunden „erstellt“.
Ich las die erste Seite. Ich nickte. Die Logik war wasserdicht. Die Grammatik perfekt. Es gab keinen einzigen Fehler, den ich hätte anstreichen können.
Und doch spürte ich diesen Widerstand in mir. Ein diffuses Gefühl, das ich nicht sofort benennen konnte.
Ich las weiter, und dann traf es mich. Es war wie der Biss in das dekorative Obst in der Auslage eines teuren Möbelhauses. Es sieht perfekter aus als jeder echte Apfel. Es glänzt im richtigen Licht. Es hat keine Dellen, keine braunen Stellen. Aber wenn man hineinbeißt, schmeckt man: Nichts.
Es war tot.
Was ich da las, war das Ergebnis einer „Inflation der Exzellenz“. Wir leben in einer Zeit, in der der Durchschnitt plötzlich Weltklasse aussieht. Dank KI ist Eloquenz keine Kunst mehr, sondern ein Commodity. Logik ist keine Errungenschaft mehr, sondern ein Knopfdruck. Wir werden überflutet mit Antworten, Texten und Codes, die alle „richtig“ sind.
Aber wenn „richtig“ und „perfekt“ plötzlich kostenlos und unendlich verfügbar sind – was passiert dann mit ihrem Wert? Er fällt auf Null.
Wir stehen an einer historischen Schwelle. Die Ära des reinen „Wissensmanagements“ ist vorbei. Denn Faktenwissen ist gerade zur billigsten Ressource auf dem Planeten geworden. Pablo Picasso sah dies bereits vor Jahrzehnten voraus, als er sagte:
"Computer sind nutzlos. Sie können nur Antworten geben."
— Pablo Picasso
Das stellt uns heute vor die vielleicht gefährlichste Frage für jeden Unternehmer:
Wenn die KI jede Antwort geben kann – was ist dann noch die Aufgabe des Menschen?
Die Antwort liegt nicht mehr in der Produktion von Information. Sie liegt in der Bewertung der Wahrheit, im Erkennen des Kontextes und im Mut, die richtige Frage zu stellen. Sie liegt nicht in den Daten, sondern in der Erfahrung, die wir verkörpern.
Um zu verstehen, warum sich KI-generierte Arbeit oft so leer anfühlt – wie das Plastikobst in der Auslage –, müssen wir das Hier und Jetzt für einen Moment verlassen. Wir müssen einen Mann zu Rate ziehen, der schon 1966 sah, worauf wir zusteuern.
Michael Polanyi war kein IT-Visionär aus dem Silicon Valley. Er war Chemiker und Philosoph. Aber er formulierte einen Satz, der heute, fast 60 Jahre später, zum fundamentalen Gesetz der KI-Ära geworden ist:
"Wir wissen mehr, als wir zu sagen vermögen."
— Michael Polanyi
Dieser Satz beschreibt das sogenannte Polanyi-Paradoxon. Es ist die frustrierende, aber auch wunderbare Tatsache, dass wahres menschliches Können oft sprachlos ist.
Versuch einmal, in einer E-Mail präzise zu erklären, wie man Fahrrad fährt. Du kannst über die Physik der Balance schreiben, über Fliehkräfte, Lenkwinkel und Pedaldruck. Du kannst die Regeln perfekt aufschreiben. Aber der Empfänger deiner E-Mail wird beim ersten Versuch trotzdem umfallen.
Warum? Weil das Wissen über das Fahrradfahren nicht in deinen Worten liegt. Es liegt in deinen Muskeln, in deinem Gleichgewichtssinn, in deiner unbewussten Reaktion auf den Wind. Du kannst es, aber du kannst es nicht sagen. Und genau hier liegt die unsichtbare Grenze der künstlichen Intelligenz.
Über der Wasserlinie liegt das Explizite Wissen. Es ist hell, klar und sichtbar. Es sind deine Prozesshandbücher, deine CRM-Datenbanken, die Excel-Tabellen und die sauber formulierten E-Mail-Vorlagen. Es ist das „Rezept“, das man abschreiben und weitergeben kann.
Dieser Teil ist kodifizierbar. Man kann ihn in Worte und Zahlen fassen. Und genau deshalb ist er das perfekte Futter für die künstliche Intelligenz. ChatGPT und Co. haben diesen Teil des Eisbergs bereits vollständig kartografiert.
Die KI beherrscht die Syntax deiner Verträge, die Logik deines Codes und die Struktur deiner Marketing-Texte besser als jeder Mensch. Wenn dein Wettbewerbsvorteil nur darin besteht, dass du bessere Checklisten hast oder schneller E-Mails formulierst, dann stehst du auf dünnem Eis. Denn wer nur die Spitze optimiert, optimiert das Banale.
Doch unter der Wasseroberfläche liegt die eigentliche Masse. Hier, im Dunkeln und schwer fassbar, ruht das Implizite Wissen (Tacit Knowledge). Es ist das Wissen, das sich nicht in Handbücher pressen lässt.
Es ist das Gefühl eines erfahrenen Vertrieblers, der im Meeting spürt: „Jetzt den Mund halten. Der Kunde kauft gleich.“ Es ist das Gehör des Maschinenführers, der am feinen Vibrieren des Bodens merkt, dass Lager 3 bald heißläuft – lange bevor der digitale Sensor Alarm schlägt. Es ist Kontext. Es ist Muskelgedächtnis. Es ist das „Gespür“ für Timing und soziale Dynamik.
Die KI ist brillant darin, die Spitze des Eisbergs zu simulieren. Aber sie kann (noch) nicht tauchen. Sie hat keine „Welt“, sie hat nur Wort-Wahrscheinlichkeiten. Sie kennt das Rezept für Brot bis auf das Gramm genau, aber sie weiß nicht, wie es riecht, wenn die Kruste perfekt ist.
Warum erzähle ich dir das?
Weil ich beobachte, dass die meisten Unternehmen gerade einen fatalen Fehler begehen. Im Rausch der Digitalisierung versuchen wir krampfhaft, den Rumpf zu ignorieren, weil er schwer zu messen ist. Wir konzentrieren uns nur auf die Spitze. Wir optimieren Prozesse, wir automatisieren E-Mails, wir feiern die Effizienz.
Aber in Wahrheit schmelzen wir unseren eigenen Eisberg ab.
Wir sind dabei, das Einzige wegzurationalisieren, was uns von der Maschine unterscheidet: Die menschliche Reibung, aus der Erfahrung entsteht.
Das führt zu einer paradoxen Situation: In der alten Welt war der Mitarbeiter, der alles perfekt dokumentierte und in Prozesse goss, der Held. In der neuen Welt ist er oft der Erste, der automatisiert wird.
Aber der „Chaot“ – derjenige, der schlecht dokumentiert, der in kein Schema passt, aber der das Projekt rettet, wenn alles brennt – dieser Mitarbeiter wird plötzlich zu deinem wertvollsten Asset. Er ist der Magier, der Dinge sieht, die nicht in den Daten stehen.
Ich werde dir jetzt zeigen, warum wir diese Magier gerade systematisch verlieren – und warum wir Gefahr laufen, eine Generation von Mitarbeitern heranzuziehen, die zwar fantastische Antworten geben, aber verlernt haben, echte Probleme zu lösen.
Wir wiegen uns in einer gefährlichen Sicherheit. Wenn wir sehen, wie ChatGPT in Sekundenbruchteilen komplexe Codes schreibt oder brillante Marketing-Konzepte entwirft, fallen wir auf eine Illusion herein. Wir denken: „Wenn die Maschine das Schwere kann, dann kann sie das Leichte erst recht.“
Wir gehen davon aus, dass Intelligenz linear ist. Wie bei einem Kind, das erst krabbeln, dann laufen und dann rennen lernt. Aber künstliche Intelligenz funktioniert nicht so. Und genau dieses Missverständnis ist der Grund, warum Unternehmen gerade blind in offene Messer laufen.
Wissenschaftler der Harvard Business School nennen dieses Phänomen die „Jagged Frontier“ (die gezackte Grenze).
Stell dir die Fähigkeiten der KI nicht als einen runden, wachsenden Kreis vor, der alles umschließt. Stell sie dir als eine wild gezackte Küstenlinie vor. Auf der einen Seite gibt es Landzungen, die weit in das Meer der Unmöglichkeit ragen: Die KI schreibt dir ein Sonett im Stil von Shakespeare über deine Buchhaltung (eine Aufgabe, an der die meisten Menschen scheitern würden). Aber direkt daneben gibt es tiefe Buchten des Versagens: Dieselbe KI scheitert vielleicht an einer simplen logischen Schlussfolgerung oder erfindet eine Quelle, die es nicht gibt (eine Aufgabe, die jeder Praktikant lösen könnte).
Das Tückische ist: Du weißt nie, wo du gerade stehst.
Weil die KI das „Unmögliche“ (das Sonett) so brillant gelöst hat, vertraust du ihr blind. Dein kritisches Denken schaltet ab. Du denkst: „Wer so dichtet, macht keine Rechenfehler.“ Also lässt du sie die Bilanz prüfen. Und genau dort, in der Bucht des Versagens, halluziniert sie.
Wer kein tiefes Tacit Knowledge besitzt, wer den Kontext nicht spürt, der kann diese Grenze nicht sehen. Er stürzt ab, ohne zu merken, dass er gefallen ist.
Das führt uns zum Kernproblem, das tiefer liegt als jede Technologie. Es liegt in unserer Natur. Wir Menschen sind biologisch auf Energiesparen programmiert. Wenn wir eine Abkürzung sehen, nehmen wir sie. Und KI ist die verführerischste Abkürzung, die wir je gebaut haben.
Wir sind gerade dabei, einem fatalen Irrtum aufzusitzen: Wir verwechseln „Mühe“ mit „Zeitverschwendung“.
Wir glauben, dass jede Minute, in der wir über einem weißen Blatt Papier brüten, in der wir uns quälen, verwerfen und neu anfangen, „ineffizient“ ist. Wir wollen den Prozess eliminieren, um direkt zum Ergebnis zu kommen.
Aber zur Wahrheit gehört: Implizites Wissen entsteht nicht im Komfort. Es entsteht ausschließlich durch Reibung. Der Tech-Philosoph Naval Ravikant brachte es auf den Punkt:
"Spezifisches Wissen ist Wissen, für das man nicht ausgebildet werden kann. Wenn man dich dafür ausbilden kann, kann man dich auch ersetzen."
— Naval Ravikant
Dein Gehirn baut die entscheidenden neuronalen Verknüpfungen nicht dann auf, wenn die Lösung glatt läuft. Es baut sie genau in dem Moment auf, in dem du vor einer Wand stehst und dich zwingen musst, drüber zu klettern. Dieser Widerstand ist kein Fehler im System – er ist der Lehrmeister.
Es ist wie im Fitnessstudio: Wenn du einen Roboter die Hanteln heben lässt, bewegt sich das Gewicht zwar effizient nach oben – das „Ergebnis“ liegt vor. Aber dein Muskel wächst nicht.
Wenn wir KI nutzen, um diesen schmerzhaften Lernprozess systematisch zu überspringen, zahlen wir einen hohen Preis. Wir sind zwar schneller am Ziel. Aber wir kommen dort „dümmer“ an. Wir besitzen am Ende das Ergebnis (den Text, den Code, die Strategie), aber wir besitzen nicht mehr die Kompetenz, es selbst zu erschaffen.
Wissenschaftler nennen dieses Phänomen Agency Decay – den Verfall der Handlungsmacht.
Um es zu verstehen, denk an das „Google-Maps-Syndrom“. Früher hatten wir eine mentale Landkarte unserer Stadt im Kopf. Wir wussten, wie die Viertel verbunden sind. Heute folgen wir blind dem blauen Pfeil. Wir kommen effizient an, ja. Aber wenn der Akku leer ist oder das GPS ausfällt, sind wir nicht nur verlangsamt – wir sind hilflos. Wir finden nicht einmal mehr nach Hause.
Genau das passiert gerade in unseren Unternehmen.
Was ist es? Der schleichende psychologische Prozess, bei dem wir die Fähigkeit verlieren, Aufgaben selbstständig zu lösen, weil wir sie systematisch an externe Systeme (KI) delegieren.
Der Effekt: Es entsteht eine „Kompetenz-Illusion“. Wir fühlen uns produktiv, weil wir Ergebnisse haben (durch die KI), aber wir werden hilflos, weil wir sie nicht mehr erzeugen können.
Die Gefahr: Wer den Prozess der Problemlösung nicht mehr beherrscht, kann auch die Qualität der Lösung nicht mehr beurteilen. Er wird vom Piloten zum Passagier.
Wir züchten eine Generation von „Prompt-Junkies“. Mitarbeiter, die fantastische Ergebnisse abrufen können, aber den Weg dorthin nicht mehr beherrschen. Sie sind wie Piloten, die den Autopiloten bedienen können, aber keine Ahnung haben, wie man das Flugzeug bei Seitenwind manuell landet.
Das ist kein theoretisches Risiko. Das ist eine unternehmerische Zeitbombe.
Was passiert in deinem Team, wenn das Tool halluziniert? Wenn die KI eine plausible, aber falsche Strategie ausspuckt? Wer hat noch den „mentalen Muskel“, um zu sagen: „Stopp. Das sieht richtig aus, aber es widerspricht der Physik unseres Marktes“?
Wenn du niemanden mehr hast, der ohne Navi laufen kann, dann bist du nicht mehr der Pilot deines Unternehmens. Du bist nur noch Passagier.
"Wir ertrinken in Informationen, aber hungern nach Weisheit."
— E.O. Wilson
In einer Welt voller brillanter Antworten ist die Fähigkeit, die falsche Antwort zu riechen, plötzlich die wichtigste Qualifikation in deinem Team.
Wer kann das? Nicht der Junior, der den besten Prompt schreibt. Sondern der „Veteran“, der das Tacit Knowledge besitzt.
Er ist derjenige, der auf den perfekten, KI-generierten Marketingplan schaut und sagt: „Die Daten stimmen. Die Logik stimmt. Aber wir machen es trotzdem nicht. Wir haben das 2010 bei diesem Kunden probiert – kulturell wird das explodieren.“
Das ist Kontext-Wissen. Die KI hat die Daten, aber der Mensch hat die Historie und die emotionale Landkarte. Das ist dein einziger Schutzschild gegen Halluzinationen.
Jetzt nickst du wahrscheinlich. Du denkst an deine eigenen Projekte und sagst dir: „Ja, genau solche Leute brauche ich! Leute mit Instinkt. Leute, die den Kontext riechen.“
Viel Glück.
Die harte Wahrheit ist: Mit deinem aktuellen Recruiting-Prozess wirst du diese Menschen nicht finden. Schlimmer noch: Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass dein Prozess sie systematisch aussortiert.
Warum? Weil unsere Hiring-Maschinen – ob menschlich oder automatisiert – fast ausschließlich darauf programmiert sind, Explizites Wissen zu scannen.
Wir suchen nach Stichworten in Lebensläufen. Wir suchen nach Zertifikaten, die bestätigen, dass jemand einen Kurs besucht hat. Wir lassen uns von perfekt formulierten Anschreiben blenden. Wir suchen nach der polierten Spitze des Eisbergs.
Aber in einer Welt, in der jeder Junior mit Zugang zu GPT ein eloquentes Anschreiben und einen lückenlosen Lebenslauf generieren kann, ist dieser Scan wertlos geworden. Du suchst nach Signalen, die keine mehr sind.
Um diesen Fehler zu vermeiden, müssen wir eine radikale Unterscheidung treffen. Wir müssen unterscheiden zwischen Credentials (Scheine/Papierform) und Capabilities (Echten Fähigkeiten).
Ein Lebenslauf ist im Grunde eine Inventarliste von Explizitem Wissen. Er listet auf, was jemand in der Vergangenheit gelernt hat. In einer Welt vor der KI war das ein guter Indikator für Kompetenz. Heute ist es wertlos, denn Faktenwissen ist ein Commodity geworden.
Und das Anschreiben? Ein eloquentes Motivationsschreiben beweist dir heute nicht mehr, dass ein Kandidat strukturiert denken oder brillant formulieren kann. Es ist zu 99 % synthetischer Text. Es beweist nur noch eines: Dass der Kandidat einen Account bei OpenAI besitzt.
Die harte Konsequenz lautet: Das Papier lügt.
Wer heute noch nach „Aktenlage“ einstellt, kauft die Katze im Sack. Du stellst jemanden ein, dessen digitale Fassade makellos glänzt. Du holst dir jemanden, der fantastisch prompten kann (technischer Skill). Aber du merkst erst drei Monate später, dass ihm die Substanz (Tacit Knowledge) fehlt, um das Ergebnis der KI überhaupt bewerten zu können.
Wir steuern auf eine massive Krise der Kompetenz-Bewertung zu.
Wenn du dein Unternehmen wirklich zukunftssicher machen willst, musst du eine harte Entscheidung treffen: Hör auf, Kandidaten danach zu bewerten, ob sie die „richtige Antwort“ geben können.
Die „richtige Antwort“ ist heute ein Commodity. Die KI liefert sie schneller, präziser und billiger als jeder Mensch. Wenn du Menschen dafür bezahlst, Antworten zu geben, bezahlst du zu viel.
Wir müssen anfangen, das zu testen, was übrig bleibt: Instinkt, Urteilskraft und Charakter.
Wir müssen aufhören zu fragen: „Was weißt du auswendig?“ Wir müssen anfangen zu beobachten: „Wie navigierst du im Nebel, wenn das Tool schweigt? Welche Fragen stellst du, um zur Wahrheit zu kommen?“
Die Qualität eines Experten zeigt sich in den nächste Jahren nicht mehr in seinen Antworten. Sie zeigt sich in der Qualität seiner Fragen an die Maschine.
Vielleicht müssen wir den Begriff „Führung“ neu definieren.
Im letzten Jahrzehnt war unsere Hauptaufgabe das Wissensmanagement. Wir wollten Informationen sammeln, sortieren und verteilen. Im Jahr 2026 ist das nicht mehr unser Job. Das erledigen die Maschinen.
Unsere wichtigste Aufgabe als Führungskräfte ist heute nicht mehr, Wissen zu verwalten, sondern Intuition zu kultivieren.
Stell dir dein Unternehmen als einen lebenden Organismus vor. Die künstliche Intelligenz ist das Nervensystem. Sie ist schnell, elektrisch, sie leitet Signale in Lichtgeschwindigkeit weiter. Sie sorgt für Effizienz. Aber das Tacit Knowledge – die Erfahrung deiner Veteranen, das Bauchgefühl deiner Experten – ist das Immunsystem. Es ist alt, es ist weise, und es ist das Einzige, was den Organismus schützt, wenn ein unbekannter Virus eindringt.
Ein Körper ohne Nervensystem ist gelähmt. Aber ein Körper ohne Immunsystem ist tot. Albert Einstein mahnte uns bereits:
"Der intuitive Geist ist ein heiliges Geschenk und der rationale Verstand ein treuer Diener. Wir haben eine Gesellschaft erschaffen, die den Diener ehrt und das Geschenk vergessen hat."
— Albert Einstein
Ich möchte dich mit einem Gedanken entlassen, der vielleicht unbequem ist:
Wenn du morgen früh in dein Büro kommst und das Internet für den Rest des Tages abschalten müsstest – welche deiner Mitarbeiter wüssten noch, was zu tun ist? Wer könnte navigieren, ohne auf den blauen Pfeil zu starren?
Finde diese Menschen. Halte sie fest. Sie sind deine Versicherung gegen die Beliebigkeit.